Das Ding mit der Routine

„Ohmann, ich hab gestern bis halb zwei am Rechner gesessen, damit ich den blöden Kurzentwurf für den UB von Herrn Dings fertig kriege…“

-„Ach, keine Sorge, da kriegst du irgendwann Routine, dann geht das schneller.“

… so sprach der Alt-Referendar zum übermüdeten Jung-Referendar.

Das Ding mit der Routine lässt sich in einigen Bereichen tatsächlich beobachten und ist verflixt beruhigend. Wenn ich an die ersten, sehr nervösen Tage und Wochen im Februar denke, ist es jetzt trotz mehr Arbeit viel ruhiger geworden. Einfach, weil viele Dinge routinierter ablaufen.  Das geht schon bei der Planung einfacher Stunden los.
Ich schreib mir für jede Stunde einen Spickzettel, auf dem Tafelbilder, zentrale Inhalte und Impulse stehen. Letztere vor allem, weil ich mich bei Arbeitsaufträgen oder Fragen gerne zu verschwurbelt ausdrücke, wie meine Ausbilder anmerkten. Ich arbeite dran.
Diese Spickzettel entstehen inzwischen in einer Zeit von 20-90 Minuten, je nach Komplexität des Themas. Für die Chemiestunde in der 7. Klasse heute (Reaktion von Marmor und Säure, Massenverlust durch CO2-Entwicklung mit der Waage festgehalten, coole Sache!) habe ich gestern Abend ca 35 Minuten gebraucht. Für die Doppelstunde Kafka letzte Woche im Deutsch-LK etwas mehr als doppelt so lang. Diese Unterschiede sind aber nachvollziehbar. Was bei Marmor und Säure passiert, kann ich ohne Spickzettel erklären, was in Kafkas Parabeln passiert, können die meisten (mich eingeschlossen) auch mit abgeschlossenem Literaturstudium kaum nachvollziehen 😉

Wichtig ist nur, dass ich nicht mehr für jede Stunde, die ich halte, 90 Minuten Vorbereitung brauche. Inzwischen habe ich die groben Stundenstrukturen im Kopf und weiß einigermaßen, welche Phasen wie lange dauern. Das hilft natürlich ungemein und ging wirklich schnell. Es gibt zwar immernoch Stunden, die lange in der Vorbereitung brauchen und trotzdem schief gehen, aber das wird auch die ersten Jahre nach dem Ref noch oft passieren…
Dass es schneller geht mit der Vorbereitung gilt aber nur für Lerngruppen, die ich kenne und in denen ich einen ungefähren Plan habe, wie es weitergehen bzw. wo es hingehen soll. Ich fange just nächste Woche in einer zehnten Klasse an und mach mit denen organische Chemie (Yay übrigens! OC!) und muss da noch einen Plan für mich bis zum Sommer aufstellen. Das wird noch dauern. Wenn ich selbst ein oder zwei Stunden dort gegeben hab und diePlanung bis zum Sommer steht, wird die Stundenplanung selbst weniger Zeit in Anspruch nehmen.

Auch das Unterrichtsgespräch wird routinierter mit der Zeit. Inzwischen habe ich gelernt, dass ich nicht jede Frage beantworten kann oder muss, sondern auch Fragen an Schüler weitergeben kann und man damit eventuell sogar eine Diskussion anregt. Aber noch bin ich an dem Punkt, an dem Fragen, mit denen ich nicht gerechnet habe, mich völlig aus dem Konzept bringen können.

Beispielsweise: In Klasse sieben geht es ums Thema Zusammensetzung der Luft bzw. Atemluft. Wir beschäftigen uns gerade mit CO2, CO2-Nachweis, etc.
Ein Mädchen zeigt auf und will wissen, wer Helium entdeckt hat, wo das vorkommt, wie das in die Atmosphäre kommt, etc.
Da steht man dann da …

Angeblich wird man auch beim Schreiben eines GUB-Entwurfs routinierter… bei den kleinen Entwürfen, die ja eigentlich nur aus den Lernzielen und einem tabellarischen Stundenablauf bestehen, habe ich das schon gemerkt. Bei den großen Entwürfen werde ich das demnächst mal überprüfen. Am 10.7. findet der nächste GUB statt, diesmal ein informeller. In der erwähnten zehnten Klasse, irgendwas im Bereich Organische Chemie. Die Klasse ist nett, ich mag OC, es gibt da sehr schöne Themen (Gefahr von bodennahem Ozon, FCKWs, zack ist man bei einer Diskussion um Umweltschutz).
Blöd ist nur immer dieser nervige Entwurf… Aber angeblich bekommt man da ja Routine. Sagen die anderen Referendare. Naja.

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Ein Gedanke zu “Das Ding mit der Routine

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